Editorial

»Wir führen keine Ratgeberliteratur«,

war vor einiger Zeit in einer Verlagsankündigung zu lesen. Ein sympathisches Statement – offenbar muss so etwas heutzutage gesagt werden. Denn die Programme nicht nur der »Special-Interest«-, sondern auch der sogenannten Publikumsverlage quellen über von Lebensverbesserungs- und verlängerungsvorschlägen einerseits, also Koch- und Gesundheitsbüchern, Karriere- und Beziehungstipps, und andererseits von Werken, die mit dem Anspruch »ich erklär dir die Welt« daherkommen, um vermeintlich Ordnung in das Chaos von Politik, Historie, den Wissenschaften oder Künsten zu bringen, beziehungsweise Orientierung versprechen. Zum Glück geraten sicher auch die momentan angesagteste Diät (Superfood) und die albernste Freizeitbeschäftigung (Ausmalen) irgendwann wieder in Vergessenheit.

Wer sich zwei Mal jährlich durch einen Meter Verlagsvorschauen fressen muss wie durch den süßen Brei im Märchen, ist regelrecht dankbar für profilierte Programme. In denen nicht die hübschesten Bestseller-AutorInnen mit schwindelerregenden Erfolgsauflagen, Werbekontakten, Zielgruppenangabe und einem fulminant-virtuos-prickelnden Inhalt angepriesen werden, sondern einfach interessante Bücher. Und die finden sich – Ausnahmen bestätigen die Regel – häufig in den kleineren, unabhängigen Verlagshäusern, denen Qualität vor Quantität geht.

Wie erfreulich, dass sich so viele beim Sommermarkt im Stuttgarter Literaturhaus vorstellen werden und auch, dass beinahe alle bereits mit Porträts oder Besprechungen ihrer Bücher im Literaturblatt präsent waren und in der vorliegenden Ausgabe sind.

Auch wir sind am 23. Juli dabei und freuen uns auf viele anregende Begegnungen!

Ihre Irene Ferchl und das Literaturblatt-Team

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