|
[ Druckansicht ]
Aktuelle Ausgabe: Mai/Juni 2013EditorialEin Zauberwort um Jugendliche und Nichtleser für Bücher begeistern zu können, wünschen sich seit jeher Eltern und Lehrer, Buchhändler und Verleger. Und was wird nicht alles dafür getan! Erst jüngst wurden zum „Welttag des Buches“ 700 000 SchülerInnen mit dem Bändchen „Ich schenk dir eine Geschichte“ beglückt, das sie sich – der Trick dabei – freilich mit einem Gutschein in der Buchhandlung abholen mussten. Dahinter stecken die Stiftung Lesen und Random House, die die aktiven Sortimenter dann mit Bestsellern belohnen. Eine andere Aktion hat die Baden-Württemberg-Stiftung gestartet: Sie heißt „kicken & lesen“ und soll Jungs „mit Hilfe bekannter Vorbilder aus der Welt des Fußballs, spannenden Geschichten über den VfB Stuttgart, die Bundesliga oder den DFB“ zum Lesen motivieren und damit ihre Bildungschancen verbessern. Auch der deutsche Buchhandel schläft nicht, sondern hat eine Marketing-Kampagne gestartet, die allerdings eher wie eine Warnung vor gefährlichen Abwegen aussieht: „Es stellt Dein Leben auf den Kopf“ steht auf großen Buttons in den Farben Schwarz-Gelb, „Es raubt Dir den Atem“ verheißt die Schrift auf den schwarzen Luftballons; „Die Langeweile kann einpacken“ oder „Auspacken verursacht Herzrasen“ droht auf Tüten und Einwickelpapier. Ähnliche Sprüche, von Prominenten auf Werbeplakaten vor sich hergetragen, sollen amüsieren und zu Lektüre (oder Bücherkauf) anregen. Ob man die Freude am Lesen dadurch wecken kann, dass man davor warnt? Bei Kindern mag ein Verbot vielleicht zum Übertreten der Regeln provozieren, aber wird ein Nichtleser durch den Schriftzug „Vorsicht Buch“ zu anderem als verständnislosem Kopfschütteln gebracht? Fragt man begeisterte LeserInnen, wie sie eigentlich zum Buch kamen, dann erscheint das Rezept meist ganz simpel: einmal von der Neugier gepackt, einmal von einer Geschichte fasziniert, einmal in einem Schmöker versunken – und dann für immer bekehrt. Werke von Otfried Preußler, Fritz Mühlenweg und Peter Stamm zum Beispiel eignen sich gut hierfür, es sind „Bücher für die Welt im Kopf“ – vertrauen Sie ruhig deren Zauber! Irene Ferchl |
|
|