Aktuelle Ausgabe: September/Oktober 2010
Editorial
Eine solch große Resonanz
hätten wir niemals zu erhoffen gewagt, geschweige denn erwartet! 136 Leserinnen und Leser haben bis zum Redaktionsschluss unsere Fragen zum Literaturblatt beantwortet, Auskunft über ihre Lesegewohnheiten gegeben, Wünsche zu Themen oder Gestaltung geäußert. Der allgemeine Tenor lautet: „alles bestens“, „weiter so“, „die Mischung stimmt“.
Haben Sie alle ganz herzlichen Dank: für Ihre Zustimmung, die netten Gratulationen, natürlich auch für Ihre Mühe, die Karten auszufüllen und zurückzusenden!
Ihre Vorschläge werden wir bedenken, soweit sie bei unserem beschränkten Seitenumfang und mit dem knappen Personal realisierbar sind: Mehr über Lyrik, mehr Rezensionen oder mehr zu Kinderbüchern möchten einige von Ihnen lesen, die badische oder überhaupt die regionale, das heißt baden-württembergische Literatur stärker vertreten sehen; weitere Wünsche betreffen die anderen Künste wie Musik, Theater, Film und Fotografie. Mit einigen Anregungen rennen Sie offene Türen ein – kleinere Verlage und die Literaturmuseen im Land vorzustellen sowie die Frage des Übersetzens war uns von Anbeginn wichtig –, diese werden auf jeden Fall aufgegriffen.
Ein aufschlussreiches Ergebnis unserer Umfrage ist, dass das Gros unserer Leserinnen und Leser stärker am redaktionellen Teil als am Veranstaltungskalender interessiert ist; wie wir darauf reagieren, wird zu diskutieren sein.
Dass einige Journalistenkollegen im Land das kleine Jubiläum des 100. Heftes zum Anlass für Interviews oder Berichterstattung genommen haben, freut uns sehr – und besonders das Akrostichon-Sonett, das Michael Rieth gedichtet hat:
Literatur vom Blatt
Laufend lesen lernen müssen alle Leute,
In der Schule schon wird es zur täglich Pflicht.
Tiefer, weiter geht’s bei Massenmenschen nicht;
Einsam bleibt der Leser in der Welt von heute.
Rauschend, flimmernd fließt der Fernsehtag vorüber,
Alles zählt zerstückelt nur nach Gigabytes,
Tausend Leuchtreklameblitze später schreit’s
Und brüllt und tobt und kocht in Massenmedien über.
Ruhe ist des münd’gen Bürgers stiller Traum.
Bleibt, wer schreibt? Das hängt nicht an der Parzen Zwirn;
Leser sind’s erst, die den Literaten machen.
Apercus entstehen zwischen Schlaf und Wachen;
Tausend Dichter Weisheit fließt in Lesers Hirn,
Tun uns auf die Sphären zwischen Zeit und Raum.
In diesem Sinne wünscht einen weiten Leseherbst
Ihre Irene Ferchl