Aktuelle Ausgabe: November/Dezember 2017

Editorial

Literatur als Ereignis

lautet ein Thema in diesem Herbst, und es wird teils freudig begrüßt, teils bitter beklagt. Fest steht: so viel Feiern war nie. Autorenlesungen werden zu Buchpräsentationen auf der großen Bühne, Literaturtage zu Lesefesten, deren pure Menge erstaunt, der Wettbewerb um die Listenplätze – etwa beim Deutschen Buchpreis – wird durch »blind dates« mit KandidatInnen, die Dramaturgie mit Longlist und Shortlist für ein großes Publikum spannend gehalten.

»Erträgt niemand mehr die Einsamkeit der Lektüre?« heißt die viel diskutierte Frage. Nur haben diejenigen, die das Schrumpfen des Buchmarkts in den letzten Jahren und den aktuellen Boom der Events in einen kausalen Zusammenhang stellen, früher gejammert, dass dem Buch der Glamour fehle und die Literatur in der Öffentlichkeit keine Rolle spiele, jedenfalls weniger als Theater, Musik oder Kunstausstellungen.

Man könnte sich doch freuen, dass verdiente SchriftstellerInnen wie Kazuo Ishiguro durch den Literaturnobelpreis, Robert Menasse durch den Deutschen Buchpreis und Margaret Atwood durch den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels eine neuerliche Aufmerksamkeit erhalten haben, die fraglos auch zur Lektüre ihrer Bücher führt. Vielleicht gibt es sogar einen Zusammenhang zwischen einer auffallenden politischen Dimension und wachsender Wahrnehmung der Literatur?

Unsere Porträts von Kerstin Preiwuß und Ingo Schulze waren übrigens geplant, bevor die beiden Namen auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis auftauchten – und dass Schulze nun mit seinem jüngsten Roman auf der Lesereise mehrfach prominent in Baden-Württemberg auftritt, gefällt uns sehr. In diesem Literaturblatt finden Sie wie immer Besprechungen der uns wichtigen Neuerscheinungen und die Termine der zahlreichen Veranstaltungen von intimen Salons bis zu den Festivals zwischen Hohenlohe und Hochschwarzwald.

Wir wünschen Ihnen anregende Begegnungen mit Büchern und Menschen!

Ihre
Irene Ferchl

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