„Lesen Sie?“

Diesmal nachgefragt bei Johannes Milla, Geschäftsführer der Agentur Milla & Partner

 

Was lesen Sie gerade?

Kai Wieland, Amerika. Dieses finstere Buch deprimiert mich: Denn es beschreibt hervorragend die Seelenzustände eines Kaffs im schattigen, feuchten Murrtal. Stark geschrieben, nichts für den Frühling. Und: Ich war immer ein Rebell, die Autobiografie von Ewald Lienen, dem einzigen deutschen Profifußballer, der in den 80er-Jahren für eine linke Friedensliste kandidierte. Sicher keine Literatur – aber ich finde meine Jugendträume und -zweifel wieder.

 

Wie finden Sie Ihre Lektüre? Im Feuilleton, in der Buchhandlung, durch Tipps von Freunden?

Im Feuilleton der Süddeutschen und durch Freunde.

 

Erinnern Sie sich an Ihr erstes Leseerlebnis?

Ja, sehr genau: die Packungsbeschriftung von »Köllnflocken«, der Haferflockenmarke meiner Kindheit, und »Velveta«, dem Streichkäse von Kraft. Ich war fünf und sie standen auf dem Fensterbrett. Ich hatte das Glück, eine Mutter zu haben, die jede Form von Neugier und Wissensdurst förderte.

 

Wer ist Ihr Lieblingsautor, Ihre Lieblingsautorin?

Jonathan Frantzen. Leider musste ich feststellen, dass mein Amerikanisch nicht so gut ist, dass ich alle Ebenen durchdringen kann. Daher lese ich ihn auf Deutsch.

 

Welches Buch würden Sie ein zweites Mal lesen?

Mein Plan ist seit Langem, nach 25 Jahren mal wieder Fluss ohne Ufer von Hans Henny Jahnn zu lesen.

 

Lesen Sie täglich in einem Buch?

Leider nicht. Ich kann keinen Tag beenden, ohne nicht die Süddeutsche von vorne bis hinten durchgelesen zu haben.

 

Welches Buch haben Sie in letzter Zeit verschenkt?

Propaganda von Edward Bernays. Ein schauriges Buch des Neffen von Sigmund Freud, der unter dessen Einfluss zum Erfinder der Public Relations wurde. Ein 90 Jahre altes Buch über die Manipulation des öffentlichen Bewusstseins, bis heute aktuell.

 

Gibt es ein Buch, das für Ihre Arbeit von besonderer Bedeutung war oder ist?

Der leere Raum von Peter Brook.

 

Welchem aktuellen Buch würden Sie mehr Erfolg wünschen? Warum?

Nachdem ich hier keinen Wunsch habe, nutze ich den freien Platz, um Wendelin Niedlich zu grüßen: Seine Buchhandlung war der Fixpunkt meiner wichtigen Zeit zwischen 15 und 25.

 

Haben Sie einen Lieblingsverlag?

Matthes und Seitz.

 

Erinnern Sie sich an eine Literaturverfilmung, die Sie besonders beeindruckt hat?

»Spiegelbild im goldenen Auge« unter der Regie von John Huston. Sein vergessenes Meisterwerk nach Carson McCullers 1941 erschienenem Roman .

 

Welches Buch haben Sie immer noch nicht gelesen?

Hier ist leider kein Platz für 1000 Titel.

04_2019_Fragebogen_Raetsel.pdf

Fragebogen als PDF-Datei zum Download

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