„Lesen Sie?“

Diesmal nachgefragt bei Burkhard C. Kosminski, Intendant des Schauspiels Stuttgart

Was lesen Sie gerade?

Durch die umfangreichen Vorbereitungen für die Spielzeit 2018/19 komme ich zurzeit leider nicht wirklich zum Lesen. Für eine Sache muss trotzdem Zeit sein: Ich lese meiner Tochter jeden Abend etwas vor, das hat einfach Tradition bei uns. Aktuell lesen wir gemeinsam Pippi Langstrumpf.

Wie finden Sie Ihre Lektüre? Im Feuilleton, in der Buchhandlung, durch Tipps von Freunden?

Ich bin gelernter Buchhändler und habe deshalb eine Leidenschaft für kleine, inhabergeführte Buchläden. In Mannheim habe ich meine Bücher in der Regel in solch einer kleinen Buchhandlung gekauft und mich immer auf die dortige Beratung verlassen können.

Erinnern Sie sich an Ihr erstes Leseerlebnis?

Ich habe als Kind natürlich die ganzen Kinderbuchklassiker etwa von Michael Ende, Astrid Lindgren, Christine Nöstlinger oder Otfried Preußler verschlungen. An das allererste Buch kann ich mich nicht mehr wirklich erinnern – aber ich weiß noch, dass mich Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer schwer beeindruckt hat. Solche tollen Reisen durch die weite Welt und solche spannenden Abenteuer wollte ich auch erleben!

Wer ist Ihr Lieblingsautor, Ihre Lieblingsautorin?

Puh, das ist gar nicht so einfach. Aber da wir gerade bei Kinderbüchern sind: Ich finde, Astrid Lindgren hat ganz wundervolle Bücher geschrieben.

Welches Buch würden Sie ein zweites Mal lesen?

Momo von Michael Ende. Das ist ein Buch, das mich schon als Kind fasziniert hat und das ich als Erwachsener noch einmal mit ganz anderen Augen gelesen habe. Ähnlich erging es mir mit Krabat. Das ist schon eine besondere Qualität, wenn Bücher mit einem älter werden können und einen sozusagen durchs Leben begleiten.

Lesen Sie täglich in einem Buch?

Berufsbedingt lese ich täglich Theaterstücke. Das können fertige Manuskripte sein oder auch erste Fassungen und Arbeitsskizzen, die mir Autor*innen anvertrauen. Für Bücher habe ich eher in den Ferien die Zeit und die Muße.

Welches Buch haben Sie in letzter Zeit verschenkt?

The Circle von Dave Eggers.

Gibt es ein Buch, das für Ihre Arbeit von besonderer Bedeutung war oder ist?

Das Schauspielerseminar am Schauspielhaus Bochum von Lee Strasberg. Aufgrund dieses Buches und Strasbergs Beschreibungen seiner Arbeit habe ich mich damals entschlossen, in New York Schauspiel und Regie am Lee Strasberg Theatre Institute und am William Esper Studio zu studieren. Dieses Buch hat sozusagen meinen Weg mitbestimmt.

Welchem aktuellen Buch würden Sie mehr Erfolg wünschen? Warum?

Peter Michalziks neuem Buch 1900: Vegetarier, Künstler und Visionäre suchen nach dem neuen Paradies über den Monte Verità und dem Roman Drei Sekunden Jetzt von Hans Platzgumer. Mit beiden Autoren arbeite ich schon lange im Theater zusammen.

Haben Sie einen Lieblingsverlag?

Hanser Literaturverlage. Hier entdecke ich beim Stöbern immer wieder tolle Autorinnen und Autoren.

Erinnern Sie sich an eine Literaturverfilmung, die Sie besonders beeindruckt hat?

Die Verfilmung von Umberto Ecos Der Name der Rose aus dem Jahr 1986 hat mich auf jeden Fall sehr in ihren Bann gezogen. Der Film war atmosphärisch extrem dicht. Aber grundsätzlich sind Literaturverfilmungen eher schwierig, weil sie nun mal konkrete Bilder finden müssen für Assoziationen, die Bücher in jedem Leser anders hervorrufen.

Welches Buch haben Sie immer noch nicht gelesen?

Das Kapital von Karl Marx. Aber ob ich das in diesem Leben nochmal schaffen werde?

5_2018_Fragebogen_Raetsel.pdf

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