Aktuelle Ausgabe: Januar/Februar 2010
- Inhaltsverzeichnis der gedruckten Ausgabe 1/2010
- Geschichte schreiben, Geschichten erzählen. Elke Linda Buchholz stellt Natalie Zemon Davis vor
- Der ganz andere Besuch. Fritz Endemann erinnert an Thomas Manns Aufenthalt in Stuttgart 1949
Editorial
Ein Unikum des Literaturbetriebs
sei das Literaturblatt Baden-Württemberg, ansprechend gestaltet, mit einer Fülle von Artikeln die Szene vernetzend, mit einer stimmigen Rezeptur aus Texten und Terminen – und überhaupt gebe es Derartiges in keinem anderen Bundesland. Dies war im November im Büchermarkt des Deutschlandfunks zu hören, und wir haben es gern gehört: Etwas Einzigartiges und Vorzügliches sein – wer wollte das nicht?
Aber in den 17. Jahrgang treten wir dennoch nicht wirklich unbeschwert, zu unwägbar sind die Zeitläufte: der Strukturwandel in der Branche, das Sterben von Zeitungen und Zeitschriften, die realen Finanznöte der Buchhandlungen und Bibliotheken, vor allem derzeit die Sparmaßnahmen der öffentlichen Hand. Zu Recht hat jüngst der Kulturstaatsminister Bernd Neumann konstatiert, dass die geringen Einsparsummen, die in diesem Bereich überhaupt möglich wären, in keinem Verhältnis zu dem kulturellen Flurschaden stünden, den man anrichten würde.
Überrascht und erfreut waren alle über die große Solidarität und Zustimmung, die die Stuttgarter „Art-Parade“ ausgelöst hat: Etwa dreitausend Kulturschaffende und kulturinteressierte Bürgerinnen und Bürger haben am 19. November gegen Kürzungen demonstriert, viele hundert haben seither die Petition zur Unterstützung des Stuttgarter Appells unterschrieben.
„Wer spricht von Siegen? Überstehn ist alles“. Den Schlusssatz des „Requiem“ von Rainer Maria Rilke hat sich der Klöpfer & Meyer Verlag zu seinem 18. Geburtstag als Motto gewählt; gefeiert wird die Volljährigkeit im Januar mit einer Matinee in Tübingen – und wir feiern natürlich mit, denn ohne Hubert Klöpfers Begeisterungsfähigkeit würde es auch das Literaturblatt nicht geben. Wir wollen nur wünschen, dass Verlag wie Zeitschrift ein höheres Alter erreichen als der junge Dichter und Übersetzer Wolf Graf von Kalckreuth, dessen Rilke in seinem Gedicht von 1908 gedachte …
Einstweilen hoffen wir, Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, wieder ein interessantes und vielseitiges, einzigartiges und vorzügliches Heft zu präsentieren. Bleiben Sie uns auch im Jahr 2010 gewogen!
Herzlich
Ihre Irene Ferchl

