Editorial

Rettet das Buch!

Die Hiobsbotschaften aus der Branche sind nicht zu überhören: Das Publikum bleibe weg, Bücher bekämen immer mehr Konkurrenz durch andere, vor allem digitale Medien, die Leute hätten keine Zeit mehr zum Lesen und dessen gesellschaftliche Rolle nähme ab. Untermauert werden diese Wahrnehmungen durch handfeste Fakten: Eine neue Studie ergab das Wegbrechen von über sechs Millionen Buchkäufern in den vergangenen Jahren, vor allem aus der jüngeren Generation.

Das Jammern über die mangelnde Lesekompetenz und Konzentrationsfähigkeit bei den Kindern und Jugendlichen hilft aber genauso wenig wie der Befund, dass das Angebot insbesondere bei der Unterhaltungsliteratur austauschbar ist und durch andere Erzählformen ersetzt wird. Mehr als hilflos wirken die gebetsmühlenartig wiederholten Behauptungen von der höheren Wertigkeit des gedruckten Buches, sei es wegen des ästhetischen, haptischen Erlebens, sei es als Oase der Entschleunigung.

Eher peinlich sind die Bemühungen der Stiftung Lesen, mit Zitaten prominenter Zeitgenossen aus TV, Popkultur oder Fußball fürs Lesen zu werben oder sich mit McDonald’s zu verbünden, wo zum gekauften Hamburger ein Buch geschenkt wird. Da ist die Interessenlage genauso durchsichtig wie bei den Aktionen zum Valentinstag, wofür extra billige Verschenkbücher mit Liebesgeschichten und Herzchendekor produziert werden.

Apropos Gedenktage. Noch vor dem »Welttag des Buches« am 23. April mit der Gutscheinaktion für SchülerInnen wird am 24. März der »Indiebookday« zelebriert: Zum fünften Mal möchten die konzernunabhängigen Verlage (Independents, kurz »Indie«), InteressentInnen in die Buchläden locken und mit dem Posten in sozialen Netzwerken oder Blogs zum Kauf eines Buchs aus einem »tollen kleinen Verlag« bewegen. Das ist übrigens inzwischen eine internationale Aktion, so wie der Kinderbuchtag am 2. April, der auf Andersens Geburtstag zurückgeht. Das »freie Buch« wird dann noch am 10. Mai gefeiert …

Vielleicht wäre es besser, mal ernsthaft über die Bedeutung des Buches bzw. der Literatur nachzudenken.

Irene Ferchl

Nach oben

PDF-Datei

2_2018_Editorial.pdf

Editorial als PDF-Datei zum Download

671 K